Kampf gegen Kinderarbeit

Falsche Versprechungen locken viele Kinder in Indien in große Städte wie Delhi. Unter sklavenähnlichen Bedingungen schuften viele dann in Fabriken. Pater Swanoop und das Don Bosco Team kämpfen für die Freiheit dieser Kinder.

Mit großem Herzen und einer gehörigen Portion Mut

Kumar* weiß nicht, in welchem Alter er in die Teppichfabrik gesteckt wurde. Vielleicht mit sechs. Oder sieben. Er erinnert sich an kaum etwas anderes als Arbeit von früh bis spät. Kumar war zehn Jahre alt, als er aus seinem Martyrium befreit wurde.

Falsche Versprechungen

Rund 25.000 Kinder leben auf den Straßen von Delhi, und täglich kommen neue hinzu. „Meist sind es ganze Gruppen von Kindern, die von Menschenhändlern unter falschen Versprechungen hergelockt wurden,“ berichtet Pater Swanoop. Man verspricht ihnen gute Jobs, man kauft sie den Eltern ab, man schafft sie von Nepal heran ... jedes Mittel ist den Ausbeutern recht.”

Notruf Don Bosco

Im Fall von Kumar war es der eigene Onkel, der den Waisenjungen an die Fabrik verkaufte. Irgendwann aber bemerkte ein Nachbar die Zustände in der Teppichweberei und wählte die Telefonnummer 1098: Die Kinder-Notrufnummer. Gemeinsam mit der Polizei fuhr einer der Don Bosco Sozialarbeiter in die Fabrik und holte Kumar heraus. Insgesamt 70 Kinder wurden in den letzten beiden Jahren von Don Bosco in Delhi auf diese Weise von der Zwangsarbeit erlöst.

Pater Swanoop mit Straßenkindern in Indien

Don Bosco als Vorbild:

"Ich habe keine Angst! Wenn Don Bosco in meiner Situation wäre, würde er genauso handeln. Auch er würde in die Fabriken gehen, um Kinderarbeiter zu retten."

Pater Swanoop Choudhury SDB, Direktor Ashalayam in Delhi

 

Im Straßenkinderzentrum Ashalayam in Delhi leben rund 80 Straßenkinder. Auch Kinderarbeiter und Opfer von Kinderhandel sind darunter. In Delhi arbeiten viele Kinder in Teppichfabriken -  teilweise 18 Stunden am Tag. Die Kinder und Jugendlichen werden an die Fabriken verkauft. Don Bosco arbeitet eng mit der Polizei zusammen, um die Minderjährigen aus den Fabriken zu befreien.
 

Prävention an den Bahnhöfen

Es sind furchtbare Geschichten von Leid und Not, die Pater Swanoop und sein 40-köpfiges Team täglich hören müssen. Daher setzten sie auch auf Prävention und postieren sich auf den Bahnhöfen der Metropole, um zuwandernde Kinder vor den Menschenhändlern zu schützen. Im Don Bosco Zentrum "Ashalayam" - das bedeutet Haus der Hoffnung - finden viele dieser jungen Menschen Schutz und Geborgenheit. Auch Kumar ist jetzt ein Teil der Gemeinschaft.

Traumata überwinden

Im Ashalayam spielen neben Einzelgesprächen und Sport Musik und Tanz eine große Rolle bei der Bewältigung der Traumata, unter denen fast alle Bewohner anfänglich leiden. „Wir haben hier einen strukturierten Tagesablauf, der die Jungen festigt. Doch immer wieder kommen die Erinnerungen hoch, viele Jungen werden von Albträumen geplagt. Trost spenden ist eine der wichtigsten Aufgaben.”

Seinen eigenen Weg finden

Viele der Jungen im Ashalayam gehen auf eine reguläre Schule, anderen aber fehlt jegliche Grundbildung. In Spezialkursen sollen sie an ein altersgerechtes Lernniveau herangeführt werden. Auch Kumar nimmt an einem solchen Crashkurs teil. Doch das Lernen fällt ihm schwer. Aber so schnell gibt Pater Swanoop nicht auf: „Kumar ist ein Bewegungstalent. Ein hervorragender Tänzer, ein guter Fußballer. Gemeinsam werden wir einen Weg für ihn finden.“

*Name von Redaktion geändert

Haus der Hoffnung:

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße