Straßenjunge sitzt auf dem Boden und streckt die Hand aus Straßenjunge sitzt auf dem Boden und streckt die Hand aus

Straßenpädagogik

Schon früh erkannte Don Bosco, dass Straßenkinder besondere Unterstützung brauchen, um ihr Leben zu verändern – aus freien Stücken und aus eigenem Antrieb heraus. Den notwendigen Anstoß dazu gibt die Straßenpädagogik.

Schritt für Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft

In einer Zeit, in der Kinder wie kleine Erwachsene behandelt wurden und es wenig Raum für kindliche Entfaltung gab, entwickelte der italienische Priester Johannes Bosco seine ganzheitliche erzieherische Vision. Begeisterung und Liebe für junge Menschen sind die Basis seines Konzeptes. Er setzte sich zum Ziel, junge Menschen zu rechtschaffenen Bürgern und guten Christen auszubilden.

Don Bosco Pädagogik heute

In unserer heutigen Zeit bedeutet Don Boscos Ansatz eine ganzheitliche Erziehung, die die Fähigkeiten junger Menschen fördert, ihnen eine gute schulische und berufliche Ausbildung mitgibt und ihnen ermöglicht, eigene Vorstellungen einer lebenswerten Welt zu entwickeln. Dies soll allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, der Religion und dem Geschlecht ermöglicht werden.

Straßenpädagogik Das Stufenmodell

Kontakt und Vertrauen aufbauen

Stufe 1

Streetworker gehen zu beliebten Treffpunkten der Straßenkinder und sprechen sie an. Sie lernen sich kennen, verbringen Zeit miteinander, bauen Vertrauen auf und sprechen über Hilfsangebote.

Álvaro sitzt auf dem oberen Bett eines grünen Etagenbetts.

Erste Hilfsangebote

Stufe 2

Das Straßenkind besucht aus eigener Motivation eine Don Bosco Anlaufstelle. Hier wird es versorgt, kann duschen und etwas essen. Wenn es das Kind möchte, kann es hier auch übernachten.

Ein neues Zuhause

Stufe 3

Will das Kind sein Leben auf der Straße hinter sich lassen, erhält es bei Don Bosco ein neues Zuhause. Durch regelmäßigen Förderunterricht, Freizeit- und Sportangebote, kann es sich an einen strukturierten Tagesablauf gewöhnen.

Neues Vertrauen

Stufe 4

Nach einigen Monaten ist das Kind bereit für die Brückenschule. Es bekommt einen Platz im Wohnheim und eine enge pädgogische Begleitung. Hier blühen viele Kinder auf und knüpfen neue Freundschaften.

Schulische und berufliche Ausbildung

Stufe 5

Je nach Situation des Kindes kann es zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen. Don Bosco unterstützt die Jugendlichen auch bei der Jobvermittlung und auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit.

Ein selbstbestimmtes Leben

Stufe 6

Neues Vertrauen, Selbstbewusstsein und die erworbenen Qualifikationen machen vielen Jugendlichen Mut und Hoffnung, an eine selbstbestimmte und glücklichere Zukunft zu glauben.

Zukunftschancen für Straßenkinder

Straßenkinder brauchen nicht nur Nahrung, Unterkunft, medizinische Versorgung und Betreuung, sondern auch eine Perspektive, um ihr Leben zu verändern – aus freien Stücken und aus eigenem Antrieb heraus. Den notwendigen Anstoß dazu gibt die Straßenpädagogik. Sie bietet ihnen lebensdienliche Orientierung in Gestalt von Bildungsangeboten. Nur mit Bildung und Zuneigung können junge Menschen am Rande der Gesellschaften ihre Zukunftsaussichten nachhaltig verbessern.

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße