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Verkaufte Kindheit

Kinderarbeit in Ghana

07.11.2017 - Sie graben mit bloßen Händen nach Gold, kommen mit gefährlichen Chemikalien in Kontakt oder tauchen unter Lebensgefahr nach verhedderten Fischnetzen: Kinderarbeit ist in Ghana grausamer Alltag. Die Salesianer Don Boscos in Ghana helfen befreiten Jungen und Mädchen und bieten ihnen eine Perspektive.

Text und Fotos: Simone Utler

Eine Kuh gegen vier Jahre von Mojos Lebenszeit

Eine Kuh gegen vier Jahre von Mojos* Lebenszeit – das war der Deal. „Ein Mann kam und versprach mir: Wenn ich vier Jahre lang für ihn arbeite, bekommen meine Eltern und ich eine Kuh von ihm“, erinnert sich der heute 16-Jährige. Mojo war 10, als er mit dem Spielen aufhörte und mit dem Schuften begann.

 

 

Als Kinderarbeiter in einer Fischerei

Der Mann war Fischer auf dem Volta-See und Mojo musste die nächsten Jahre tagein tagaus paddeln, Netze einholen, Wasser aus dem Boot schöpfen und nach Netzen tauchen.

 

An kurzen Tagen ging die Arbeit morgens um fünf oder sechs Uhr los, an langen schon um drei - Feierabend war immer nach 20 Uhr. „Wir waren immer hungrig“, erzählt Mojo, der nur zweimal am Tag etwas zu essen bekam. „Und wenn du einen Fehler gemacht hast, gab es Schläge.“

 

Kinderarbeit in Ghana hat ganz unterschiedliche Gesichter

Auf dem weitläufigen Grundstück der Salesianer Don Boscos mit den rosafarbenen Gebäuden finden überwiegend Jungen Zuflucht, denn mehrheitlich sind sie es, die in Ghana arbeiten müssen.

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Die Spende ist als Sonderausgabe steuerlich abzugsfähig.
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Die Aufgaben von Kinderarbeitern variieren weltweit je nach Land und Region: Am Volta-See in Ghana riskieren zahlreiche Jungs wie Mojo ihr Leben und ihre Gesundheit bei der Fischerei, wenn sie ohne Schutzausrüstung und mit teils mäßigen Schwimmkenntnissen nach verfangenen Netzen tauchen und stundenlang im Wasser sind.

 

In anderen Regionen Ghanas schuften Kinder in illegalen Goldminen, auf Kakao-Plantagen oder als Träger. Manche Mädchen werden sogar in die Prostitution oder als Haussklavin verkauft. 

 

 

©Simone Utler

Kinderarbeit in Ghana

Obwohl Kinderarbeit in Ghana gesetzlich verboten ist, ist es immer noch ein großes Problem in dem westafrikanischen Küstenland. Rund 1,9 Millionen 5- bis 17-Jährige (21 Prozent) sind einer Studie der Internationale Arbeitsorganisation (ILO) aus dem Jahr 2014 zufolge zur Kinderarbeit gezwungen; 1,2 Millionen (14,2 Prozent) verrichten gefährliche Arbeiten.


„Es wird nicht ausreichend auf die Einhaltung des Gesetzes geachtet“, sagt Pater Fred, der das Don Bosco Child Protection Centre in Ashaiman leitet. Das Schutzzentrum am Rand der Stadt nimmt pro Jahr durchschnittlich 90 gerettete Kinder auf - 2017 waren es bis Anfang Juli schon 70 Neuzugänge. Die meisten werden von der Polizei oder Hilfsorganisationen gebracht.

Kinder riskieren ihre Gesundheit und ihr Leben

„Wenn die Kinder zu uns kommen, sind viele schwer traumatisiert und in schrecklichem körperlichen Zustand“, sagte Pater Fred, der regelmäßig Kinder mit Wurmkrankheiten, Lungenentzündung, Malaria oder Typhus sieht. „Und alle leiden unter Anämie.“

 

Fiefie musste in einer illegalen Mine nach Gold schürfen

Als Fiefie* zu den Salesianern kam, waren seine Hände skelettiert. Er war damals 15 und hatte drei Jahre in einer illegalen Goldmine im Westen des Landes geschuftet. Er war in Stollen gekrabbelt, die für Erwachsene zu groß sind, hatte mit bloßen Händen nach Gold geschürft, es in eine Schüssel geworfen und mit Chemikalien gereinigt.

 

Sein Lohn: 50 Cedi (rund 9,50 Euro) im Monat, von denen er aber nur einen Bruchteil sah. Essen gab es nur einmal am Tag, aber ständig Schläge, sprechen war verboten.

 

 

Hilfe für Kinderarbeiter - das Schutzzentrum in Ashaiman

2015 wurde Fiefie zusammen mit 16 anderen Jungen befreit und nach Ashaiman ins Schutzzentrum gebracht. „Fiefie konnte keinem in die Augen sehen und war lange sehr schüchtern“, erzählt Pater Fred über den Jungen, den Fremde nicht sprechen sollen, um ihn nicht in seinem Heilungsprozess zu stören.

 

Inzwischen sind Fiefies Hände geheilt, er traut sich zu sprechen und besucht die Schule. Normalerweise ist der Aufenthalt auf neun bis zwölf Monate begrenzt, aber in besonderen Fällen kann ein Kind auch länger bleiben.

Don Bosco in Ghana

Im Schutzzentrum in Ashaiman finden ehemalige Kinderarbeiter ein neues Zuhause. ©Simone Utler
Mojo im Boys Home der Salesianer in Sunyani. ©Simone Utler
In seiner Freizeit schließt sich Mojo gerne der Trommel-Gruppe an. ©Simone Utler
Neben Musik spielt auch Sport eine wichtige Rolle im Leben der ehemaligen Kinderarbeiter. ©Simone Utler
Im Boys Home der Salesianer Don Boscos erhalten die Jungen die Möglichkeit, ihren Schulabschluss zu machen. ©Simone Utler
Wäsche waschen, Mahlzeiten kochen - die Jungs packen immer mit an. ©Simone Utler
Viele Kinder und Jugendlichen im Boys Home sind ehemalige Kinderarbeiter oder Straßenkinder. ©Simone Utler
Die Salesianer Don Boscos bieten auch Berufsbildung an. ©Simone Utler
Eine regelmäßige warme Mahlzeit war für viele ehemalige Straßenkinder früher eine Seltenheit. ©Simone Utler
Gemeinsam spielen und lernen - im Boys Home leben rund 40 bis 50 Jungen unterschiedlichen Alters. ©Simone Utler

Der Wunsch nach einem besseren Leben für die Kinder

Derzeit liegt der Hauptfokus des Schutzzentrums darauf, die Kinder mit Einzel-, Gruppen- und Musiktherapie zu unterstützen, an die Schule heranzuführen, zu Hause zu integrieren – und sicherzustellen, dass die Eltern sie nicht wieder weggeben.

 

„In Ghana ist es üblich, ein Kind zu einem Onkel oder einer Tante zu geben, wenn er oder sie ihm ein besseres Leben bieten kann“, sagt Pater Fred. Dann sei der Schritt nicht mehr groß, die Kinder einem Fremden mitzugeben - denn die Eltern wollten einfach eine bessere Zukunft für ihren Sohn oder ihre Tochter.

 

 

Die Familie weiß oft nicht, wie es den Kindern geht 

 „Sie sehen die finanzielle Unterstützung für die Familie und wissen meist nicht, wie es den Kindern ergeht. Manchmal werden die Kinder aber auch entführt.“ Die Salesianer helfen den Eltern von befreiten Kindern daher, selbst grundlegende Fähigkeiten zu erwerben, damit die Erwachsenen das Geld verdienen können.

 

 

Der Preis für ein Kind ist oft Verhandlungssache

Der Preis für ein Kind ist Verhandlungssache. „Manchmal gibt es einen Korb Fische, manchmal eine Kuh“, erklärt Pater Fred.

 

 

„Einige bekommen monatlich Geld, doch oft wird erst am Ende einer verabredeten Zeit bezahlt. Und wenn die früher endet, bekommt das Kind nichts." Auch Mojo ist leer ausgegangen. Die Polizei hat ihn vor Ablauf der vereinbarten vier Jahre befreit und ins Schutzzentrum gebracht.

 

 

Ein neues Zuhause für Mojo

Heute lebt Mojo im Boys Home der Salesianer in Sunyani, einem Wohnheim für Straßenkinder und Waisen. 40 bis 50 Jungen im Alter zwischen 8 und 20 Jahren erhalten hier die Möglichkeit, ihren Schulabschluss zu machen oder eine Ausbildung zu absolvieren.

 

Mojo möchte gerne Elektriker werden, um Menschen Strom in ihre Häuser zu bringen. Fiefie möchte Soldat werden. „Er spricht oft davon, dass er andere beschützen und davor bewahren möchte, ausgebeutet und missbraucht zu werden“, berichtet Pater Fred über die Träume des Jungen, der selbst so viel erlitten hat.

 

*Namen von Redaktion geändert