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Eine Zukunft für Teenagermütter in Madagaskar

Elisa* ist glücklich. Zärtlich streichelt sie ihrem sechs Monate alten Sohn Hernand über den Kopf. Seitdem die 17-jährige die Mutter-Kind-Gruppe besucht, hat sie wieder Hoffnung, dass alles gut wird. Noch vor kurzer Zeit war das ganz anders. Die junge Mutter hatte Depressionen, sah keine Zukunft für ihren Sohn und sich. Nun blickt sie zuversichtlich in die Zukunft. „Hier habe ich wieder gelernt, wie schön das Leben ist und dass auch ich eine Perspektive habe. Ich habe auch echte Freunde und Halt gefunden“, erzählt sie lächelnd.

 

Halt und Fürsorge für junge Mütter und ihre Kinder

In der Gruppe kann sie sich mit anderen Müttern, die das gleiche Schicksal ereilt hat, austauschen. Ärztin Claire ist bei jedem Treffen mit dabei. Aufmerksam hört sie den Frauen zu und gibt ihnen Tipps. Regelmäßig kommen die Frauen mit ihren Kindern auch zu Vorsorgeuntersuchungen. „Die meisten jungen Mütter fühlen sich mit ihren Kindern alleine gelassen. Die Väter sind weg und die Familie kann sie auch nicht unterstützen“, so die Ärztin. „Hier erfahren sie Halt und ihre Kinder werden gut medizinisch versorgt."

 

 

In der Mutter-Kind-Gruppe können sich junge Mütter wie Elisa austauschen und bekommen professionellen Rat und Hilfe. ©Don Bosco Mission Bonn/Florian Kopp

 

Der Vater von Hernand hat sich aus dem Staub gemacht, als der Junge einen Monat alt war. Seitdem hat die junge Frau nie wieder etwas von ihm gehört. Elisa lebt jetzt wieder bei ihrer Mutter. Zusammen mit ihren vier Geschwistern wohnt sie in einem winzigen Haus. Elisas Mutter arbeitet gelegentlich als Wäscherin und der älteste Bruder macht Gelegenheitsjobs. Das Geld reicht hinten und vorne nicht.

 

Elisas Vater ist an Leberzirrhose gestorben, als sie 13 Jahre alt war. Die Mutter musste dann besonders hart arbeiten, um ihre fünf Kinder durchzubringen. Tagsüber waren die Geschwister meistens sich selbst überlassen. Da Elisa, die älteste Tochter war, musste sie um ihre kleineren Geschwister kümmern. Der Tod des Vaters traf sie sehr und sie bekam schwere Depressionen. In dieser Phase brach sie auch die Schule ab. Die meiste Zeit verbrachte sie auf der Straße – bis sie über Freunde das Don Bosco Projekt TAIZA kennenlernte. „Seit Hernand auf der Welt ist, nehme ich an der Mutter-Kind-Gruppe teil. Das hat mir sehr geholfen, weil ich vor allem am Anfang sehr unsicher war. Ich habe hier sehr viel gelernt und bin froh, dass Ärztin Claire da ist. Das gibt mir ein Stück Sicherheit. Sie hat mir schon in vielen Situationen sehr geholfen“, sagt die hübsche Teenagermütter und schmiegt den kleinen Hernand zärtlich an sich. „Eines ist mir auch nochmal klar geworden: Ich sollte warten bis ich das nächste Kind bekomme“, fügt sie ernst hinzu.

 

Armut in Madagaskar: Viele Teenagermütter müssen mit ihren Kindern auf der Straße leben

In dem Inselstaat Madagaskar erziehen viele Frauen ihre Kinder alleine. Oft sind die Mütter noch Teenager. Besonders in den armen Gegenden gibt es viele minderjährige Mädchen, die früh Mütter werden. Fianarantsoa ist mit rund 170.000 Einwohnern eine der größten Städte der Insel. Die Armut ist nicht nur im Viertel Ankofafa, in dem die SDB arbeiten, sichtbar, sondern überall in der Stadt. In der Gegend gibt es kein einziges Unternehmen, keine Industrie und es gibt auch keinen Tourismus. 90 Prozent der Stadtbewohner betreiben informellen Handel, viele sind Straßenverkäufer. Die Stadt wirkt wie ein großes Dorf. Viele Kinder und Jugendliche leben auf der Straße. Der Staat hat sie vergessen. Sie sind ganz auf sich allein gestellt. Die Salesianer sind schon seit den 90er Jahren in Fianarantsoa präsent. Sie kümmern sich um die benachteiligten Kinder und Jugendliche und junge Mütter vor allem in dem Armenviertel Ankofafa.

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60 Prozent der Einwohner von Madagaskar sind jünger als 20 Jahre. Da die Familien sehr arm und die Schulen zu teuer sind, müssen die meisten Kinder arbeiten, um zu überleben. Durch die zunehmende Landflucht sind viele Familien zerrüttet; die Kinder treibt es dadurch auf die Straße, wo sie Kriminalität und Gewalt erfahren. In den Gassen von Fianarantsoa wimmelt es von Kindern, die sich ohne ein Dach über dem Kopf und ohne die Hilfe ihrer Eltern durchs Leben kämpfen müssen.

 

Hilfe für Straßenkinder in Madagaskar

„Die Kinder können nicht zur Schule gehen und bleiben dann ihr Leben lang Analphabeten, genau wie ihre Eltern“, erzählt Pater Jannot SDB, der sich in Fianarantsoa um Straßenkinder kümmert. „Wir möchten ihnen Auswege aus dem Teufelskreis der Armut aufzeigen und ihnen die Chance geben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, betont der Salesianerpater. Mit Bildungsprogrammen, Schulen und Stipendien wollen sie den Ärmsten der Armen Zugang zu Bildung verschaffen. In Fianarantsoa gibt es eine Don Bosco Schule für Hunderte von Kindern und ein Berufsbildungszentrum. Mütter der Schulkinder kochen jeden Mittag gemeinsam ein Essen für die Jungen und Mädchen.

 

Seit ihrer Ankunft auf Madagaskar 1981 haben die Salesianer Don Boscos vier Berufsbildungszentren für benachteiligte Jugendliche aufgebaut. Die beiden größten befinden sich in Majunga und Tulear. Hier werden bis zu 250 Auszubildende pro Einrichtung unterrichtet. Das Besondere an dem Berufsbildungszentrum in Tulear ist, dass hier auch Mädchen unterrichtet werden. Eine Ausnahme in Madagaskar.

 

 

Viele Kinder leben auf den Straßen Madagaskars - manchmal mit ihren Müttern, häufig auch alleine. ©Don Bosco Mission Bonn/Florian Kopp

 

Elisa ist froh, dass sie sich mit anderen jungen Müttern austauschen kann, wie mit Martine. Die 19 jährige ist Mutter eines kleinen Mädchens von anderthalb Monaten. Auch sie kann derzeit nicht arbeiten und ist auf die Hilfe ihre Mutter angewiesen. Eine Freundin hat ihr von der Mutter-Kind-Gruppe erzählt: „Ich habe dort Anschluss zu anderen Müttern in der gleichen Situation gefunden. Dadurch fühle ich mich jetzt weniger hilflos. Besonders von Ärztin Claire habe ich viel über Hygiene und in Gesundheitsfragen gelernt. Das ist wichtig für meine Tochter, aber auch für mich. Die Frauen von Taiza sind für mich da, wenn ich sie brauche. Dafür bin ich unendlich dankbar.“

 

*Namen geändert

 

Madagaskar

Der Inselstaat Madagaskar im Indischen Ozean ist für Touristen aus aller Welt ein tropisches Naturparadies. 700.000 bis eine Millionen Touristen besuchen pro Jahr die ehemalige französische Kolonie. Die Bevölkerung profitiert hiervon kaum. 80 Prozent der Bevölkerung in Madagaskar leben von weniger als einem US- Dollar pro Tag. Eine Schattenseite des Tourismus: Kinderprostitution ist weit verbreitet.

Bilder: Straßenkinder und Teenagermütter in Madagaskar