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„Bildung darf niemals durch Arbeit ersetzt werden.“

20.11.2017 - Kinderarbeit ist ein großes Problem in Indien. Viele Kinder verlassen ihre armen Familien oder die Schule, um zu arbeiten und die Familie zu unterstützen. Nicht selten landen sie dann auf der Straße oder werden als Kinderarbeiter ausgebeutet. Die Nichtregierungsorganisation BREADS hilft jungen Menschen dabei, sich für die eigenen Rechte stark zu machen.

Interview mit Pater Joy Nedumparambil SDB

 

Kinderarbeit und Kinderrechte in Indien

Pater Joy Nedumparambil SDB ist seit 2012 Direktor von BREADS in der indischen Metropole Bangalore. Seit 23 Jahren unterstützt BREADS Sozialprojekte für benachteiligte junge Menschen - unter ihnen viele Straßenkinder und Kinderarbeiter.

 

Im Interview schildert Pater Joy die Situation von Straßenkindern und Kinderarbeitern in Indien, was dagegen getan werden kann und wie sich die Kinder und Jugendlichen selbst für ihre Rechte einsetzen.

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Wie viele Straßenkinder gibt es in Bangalore?

Pater Joy: Jeden Tag kommen 20 bis 30 Straßenkinder am Bahnhof von Bangalore an. In der Regel können wir rund 15 Kinder in unseren neun Straßenkinderzentren unterbringen.

 

In Bangalore leben rund 100.000 Kinder auf der Straße.

Meistens sind es Jungen im Alter von fünf bis elf Jahren. Mädchen machen nur rund zehn Prozent der Straßenkinder aus. Für sie ist es besonders gefährlich. Insgesamt leben in der Zehnmillionenmetropole Bangalore rund 100.000 Kinder auf der Straße.

Wie helfen Sie den Straßenkindern?

Der beste Ort für Kinder ist ihre Familie.

Pater Joy: In den ersten Tagen versuchen wir immer die Familien zu finden. Denn der beste Ort für Kinder ist ihre Familie und nicht Don Bosco. Wir nehmen mit den Eltern Kontakt auf und unser Team begleitet die Kinder dann. Regelmäßig werden auch Beratungsgespräche durchgeführt.

 

Armut ist ein Grund, warum Kinder ihr Zuhause verlassen.

Ein großes Problem ist die Armut. Viele Kinder laufen weg, weil es zu Hause nichts zu essen gibt. Oft sind die Eltern auch Alkoholiker und vernachlässigen ihre Kinder. Die meisten Ausreißer freuen sich aber sehr, wenn sie wieder zu Hause sind. Sie haben auf der Straße sehr gelitten.

 

Manche Kinder kommen aber auch zu Don Bosco zurück. Wir kümmern uns um sie. Die Kinder besuchen Brückenschulen, lernen Englisch und sind meistens sehr gut in Fächern wie zum Beispiel Sport.

Ist Kinderarbeit in Indien weit verbreitet?

Viele Kinder verlassen die Schule, weil sie arbeiten müssen.

Pater Joy: Kinderarbeit ist in Indien ein großes Problem. Viele Kinder schuften zum Beispiel in der Landwirtschaft, in Fabriken, aber auch in Steinbrüchen. Die meisten möchten ihren Eltern helfen. Die Familien sind sehr arm. Fast alle Kinder geben ihren Lohn an die Familie ab. Ab der 6. Klasse brechen deshalb viele die Schule ab.

 

Kinderabeiter werden ihrer Kindheit beraubt.

Sobald Kinder aber nicht mehr zur Schule gehen, um zu arbeiten, ist das nicht akzeptabel. Die Jungen und Mädchen werden ausgebeutet und ihrer Kindheit beraubt. Sie haben keine Zukunftsperspektiven. Meistens tragen sie auch noch gesundheitliche Schäden davon. Diese Form der Ausbeutung muss abgeschafft werden.

Wie kann diese Situation geändert werden?

Bildung darf niemals durch Arbeit ersetzt werden.

Pater Joy: Wir helfen durch Aufklärung und Bildung. Bildung darf niemals durch Arbeit ersetzt werden. Jungen und Mädchen müssen in die Schule gehen und über ihre Rechte aufgeklärt werden.

 

Wir klären auch die Eltern auf. Unsere Sozialarbeiter gehen in die Dörfer und identifizieren die Kinder, die arbeiten. Dann gehen sie zu den Eltern und suchen das Gespräch. Sie bitten, die Eltern ihre Kinder nicht mehr zur Arbeit zu schicken, sondern in die Schule. Das hat oft Erfolg!

 

Kinder fordern ihre Rechte ein.

Jugendliche aus den Dörfern begleiten häufig unsere Sozialarbeiter. Meistens kennen sie die Familien. Dadurch kommen sie besser an sie ran. Die Jugendlichen werden in unserem Child Rights Club geschult, um ihre Rechten auch selbst einfordern zu können.

Ist Kinderarbeit in Indien nicht verboten?

Das Gesetz ist ein Hintertürchen zur Legalisierung von Kinderarbeit.

Pater Joy: Kinderarbeit ist verboten, aber seit kurzem gibt es ein neues indisches Gesetz. Dieses Gesetz ist sozusagen ein Hintertürchen zur Legalisierung von Kinderarbeit. Kindern wird gestattet in Familienunternehmen mitzuarbeiten. Wenn der Vater eine große Fabrik hat, kann er seine Kinder jetzt ganz legal dort arbeiten lassen. Verboten ist nur die gefährliche Arbeit zum Beispiel in Minen oder mit Feuerwerkskörpern.

 

Breads macht sich weiterhin für Kinderrechte stark.

Das neue Gesetz ist ein herber Rückschlag. Wir haben versucht es zu verhindern, aber es ist uns nicht gelungen. Generell arbeiten wir gut mit der indischen Regierung zusammen und haben auch oft beratende Funktionen.

 

Zum Beispiel ist BREADS auch bei der Initiative SMART CITIES in Indien mit dabei. Wir machen uns dort für Kinderrechte stark. Smart Cities kann es nur geben, wenn auch die Kinderrechte umgesetzt werden. Das versuchen wir den Vertretern aus Regierung, Unternehmen und Industrie klar zu machen. Alle Kinder müssen zur Schule gehen und es darf keine Kinderarbeit geben. Das sind unsere Forderungen, die wir nicht müde werden, zu formulieren.

Ein Zeichen für Kinderrechte setzen

Fotoaktion von Don Bosco Volunteers in Indien 2016

Olivia und Friederike waren als Don Bosco Volunteers für ein Jahr in Indien. Mit ihren eindrucksvollen Bildern möchten die beiden sich gegen Kinderarbeit und für Kinderrechte auch über ihren Freiwilligendienst hinaus stark machen.

 

Fotoaktion