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  • Francis* (9 Jahre)
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Straßenkinder in Afrika

Francis* verrät auf den ersten Blick, dass er aus einem rauen Umfeld kommt. Mit seinen neun Jahren steht er wie ein Großer: die Beine breit, die Hüfte abgeknickt, die Arme vom Körper gespreizt, als wäre der Bizeps zu dick, den Kopf etwas provokant zur Seite gelegt. Doch wenn er zu sprechen beginnt, kommt der kleine Junge durch, der gerne Tischtennis spielt, tanzt, rechnet und isst.

Text und Bilder: Simone Utler

 

Ein neues Zuhause für Francis

Francis lebt im Boys Home der Salesianer in der Stadt Sunyani, einem Wohnheim für Straßenkinder und Waisen in Ghana. 40 bis 50 Jungen im Alter zwischen 8 und 20 Jahren erhalten hier die Möglichkeit, ihren Schulabschluss zu machen oder eine Ausbildung zu absolvieren. „Das Beste an dem Boys Home ist, dass sie für mich kochen“, sagt Francis, der Reis und Fleischeintopf als Leibspeisen nennt.

 

 

Für Francis ist es etwas besonderes, wenn jemand für ihn kocht. ©Simone Utler
Francis in seinem Zimmer im Boys Home der Salesianer Don Boscos. ©Simone Utler

 

Frühe Kindheit auf der Straße

 

Zuhause hat niemand für ihn gekocht. Der Vater war nicht da, die Mutter mit der Situation überfordert. Die Hütte der Familie versank im Chaos, es gab kein Bett, keine Matratze, Francis schlief auf dem Lehmboden.

 

Tagsüber hing er auf der Straße ab und ging mit Freunden mit, wenn er Hunger hatte. Francis war noch nicht mal sechs, als die Salesianer auf ihn aufmerksam wurden und ihn ins Jungenheim holten.

 

*Name von Redaktion geändert

Weitere Lebensgeschichten von Straßenkindern aus Afrika

Martine* (19 Jahre) fand Hilfe für sich und ihr Kind, Madagaskar

"Ich fühle mich jetzt nicht mehr so hilflos"

 

Meine Tochter hat ihren Vater nie kennengelernt. Er hat noch nicht mal ihre Geburt abgewartet, sondern ist vorher abgehauen. Seitdem haben wir ihn nicht mehr gesehen. Wir werden auch finanziell nicht von ihm unterstützt.

 

Dina* ist jetzt anderthalb Jahre alt. Meine Tochter und ich wohnen in einem winzigen Zimmer. Es ist zwei Mal drei Meter groß, aber zumindest haben wir ein Dach über dem Kopf. Ich muss fünf Euro dafür im Monat zahlen. Das klingt nicht viel, ist aber für mich viel Geld.

 

Ohne die Unterstützung meiner Mutter würde ich das nicht schaffen. Ich kann ja momentan schlecht arbeiten, da Dina noch so klein ist. Früher habe ich als Dienstmädchen bei einer reichen Familie gearbeitet. Das geht jetzt nicht mehr.

 

 

Martine vor dem Haus, in dem sie ein kleines Zimmer gemietet hat. ©Don Bosco Mission Bonn/Florian Kopp
Ärztin Claire hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme der jungen Mütter. ©Don Bosco Mission Bonn/Florian Kopp

 

 

Eine Freundin hat mir von der Mutter-Kind-Gruppe bei Don Bosco erzählt. Ich bin dann mit ihr zusammen dahin gegangen und mir hat es sofort gefallen. Ich habe sehr schnell Anschluss zu anderen Müttern in der gleichen Situation gefunden. Dadurch fühle ich mich jetzt weniger hilflos.

 

Von Madame Victorin und der Ärztin Claire habe ich viel über Hygiene und Gesundheitsfragen gelernt. Nicht nur für Dina, sondern auch für mich. Die Frauen in der Don Bosco Gruppe sind immer für mich da, wenn ich sie brauche. Dafür bin ich unendlich dankbar!

 

*Name geändert

Neyla* (27 Jahre) fand Dank den Salesianern eine Festanstellung, Südafrika

Mit Don Bosco zum festen Job - Neyla* aus Südafrika

Um ihre Familie finanziell zu unterstützen, zog Neyla* nach Kapstadt. Dort nahm die 27-jährige verschiedene Jobs an. Doch da sie sehr wenig verdiente, konnte sie fast nichts nach Hause schicken. Die Salesianer Don Boscos gaben ihr die Chance zu einer Fortbildung. Hiermit fand sie schließlich eine feste Anstellung. Und sie möchte sich weiterbilden, damit sie vielleicht eines Tages eine Führungsposition ausüben kann.

 

Ich wurde in der Stadt Dutywa in der Provinz Ost Kap geboren. Meine Familie ist sehr arm und konnte meine vier Geschwister und mich nur schlecht versorgen. Als ich alt genug war, bin ich daher nach Kapstadt gegangen. Ich dachte, ich könnte dort Geld verdienen und meine Familie unterstützen.

 

Ich fand schließlich einen Job bei einer Supermarktkette, danach in einem Fast-Food-Restaurant. Aber nach kurzer Zeit liefen die Verträge aus und ich stand wieder vor dem Nichts. Ich habe auch nicht viel Geld verdient, obwohl ich mich so angestrengt habe. Meiner Familie konnte ich so nicht helfen. Dann war ich für einige Jahre arbeitslos.

 

Eine Freundin erzählte mir vom Salesian Institute. Ich schrieb mich für den Computer- und Büromanagementkurs ein und hoffte, damit einen besseren Job zu finden. Ich hatte vorher noch nie einen Computer benutzt, fand die Kurse aber trotzdem toll. Deshalb habe ich mich sehr angestrengt. Die Betreuung durch die Mitarbeiter war super. Sie kümmerten sich richtig um mich und halfen mir, wo es nur ging.

Neyla bei der Arbeit. ©Don Bosco Mission Bonn

 

Kurz vor Ende des Kurses fand ich eine Anstellung bei einem Verpackungsunternehmen. Nach der Probezeit bekam ich sogar einen unbefristeten Vertrag! Ich hätte auch in anderen Abteilungen arbeiten können, aber mir gefällt es, wo ich jetzt bin. Zurzeit plane ich, mich noch weiter zu bilden. Vielleicht kann ich dann sogar eine Führungsposition im Verwaltungsbereich ausüben. Das wäre mein Traum!

 

Ohne das Salesian Institute hätte ich das wahrscheinlich nicht geschafft. Es gibt nur wenige Stellen in Südafrika und die sind stark umkämpft. Die Fortbildung und die Betreuung bei den Salesianern haben mir auf dem Arbeitsmarkt den entscheidenden Vorteil verschafft. Dafür bin ich Don Bosco sehr dankbar.

(*Name geändert)

jetzt Helfen!

Azmi* (12 Jahre) riss von Zuhause aus und lebt jetzt bei den Salesianern in Kara, Togo

"Ich bin nicht so ein Bandit, wie die anderen!"

Azmi* kommt aus Togo. Mit sieben Jahren wird der Junge von seiner Mutter verlassen. Er wächst dann beim Onkel auf, der ihn schlägt und misshandelt. Schließlich läuft Azmi weg und landet auf der Straße. Der Onkel findet ihn wieder und bestraft ihn auf grausame Weise für die Flucht. Seit vier Jahren lebt Azmi nun in einem Straßenkinderzentrum der Salesianer Don Boscos in Kara, der drittgrößten Stadt Togos. Dort ist er in Sicherheit und lernt mit Begeisterung.

 

Als ich ungefähr sieben Jahre alt war, ist meine Mutter plötzlich verschwunden. Ich wusste nicht, wohin sie gegangen ist und mein Vater war sehr verzweifelt. Weil das Geld nicht reichte, wurden meine Geschwister und ich an verschiedene Verwandte weggegeben. So kam ich zu meinem Onkel und seiner Frau, bei denen es mir zuerst sehr gut ging. Ich bekam genug zu Essen und von meinem Opa sogar richtige Kuhmilch! Plötzlich ist dann mein Opa gestorben und das Geld reichte nicht mehr, um mich in die Schule zu schicken. Ich gehöre zum Volk der Kutukuli, und wir vergraben unsere Toten. Deshalb musste mein Onkel die Beerdigung bezahlen.

 

Ich sollte dann schon mit neun Jahren eine Ausbildung in einer KFZ-Werkstatt machen. Die Arbeit war zwar interessant, aber die vielen Werkzeuge waren viel zu schwer für mich. Der Chef war auch nicht sehr nett zu mir und bestrafte mich, wenn ich einen Fehler machte. Da bin ich dann nicht mehr hingegangen.

 

Irgendwann haben sich mein Onkel und seine Frau immer mehr und immer schlimmer gestritten. Er hat sie oft geschlagen. Ich habe mir die Schuld dafür gegeben, weil sie mir oft etwas von dem wertvollen Essen gab, wenn ich ihr in der Küche geholfen habe. Weil ich ihr trotzdem geholfen habe, hat mein Onkel mich irgendwann ohne Wasser draußen in der Hitze eine schwere Schüssel auf dem Kopf balancieren lassen. Als die Nachbarn das bemerkten, beschimpften sie meinen Onkel. Ich durfte wieder ins Haus, aber er hat mich völlig ignoriert. Ich habe auch wieder meiner neuen Mutter geholfen, bis mein Onkel mich wieder erwischt hat. Er hat mich an einen Pfahl gefesselt, aber ich konnte mich los reißen und bin weggelaufen.

Azmi* (12 Jahre) aus Togo beim Kickern.
©Don Bosco Mission Bonn

 

Auf dem Markt lebten viele Straßenkinder. Sie verdienten sich mit kleineren Arbeiten etwas Geld. Denen habe ich mich angeschlossen, aber stehlen wollte ich nicht, das tut man nicht. Die meisten Leute hier sind doch auch arm.

 

Mir ging es dort ganz gut, aber ich hatte großen Hunger. Irgendwann hat mein Onkel mich aufgespürt und Zuhause wieder an den Pfahl gefesselt. Ich konnte mich nicht befreien und meine Hände wurden taub. Als er das gesehen hat, holte er einen Wunderheiler, aber der konnte mir nicht helfen. Man brachte mich ins Krankenhaus. Meine Hände waren von parasitären Fliegen befallen, die ihre Eier in lebendes Fleisch legen. Sie waren voller Maden. Meinen Onkel hat daraufhin die Polizei verhaftet.

 

Niemand wollte meine Behandlung bezahlen, so dass die Ärzte die Salesianer Don Boscos fragten. Irgendwie haben sie auch meine Mutter gefunden, und sie war der Meinung, man müsste die Hände amputieren. Dem Arzt, Dr. Kabudja, gelang es jedoch, zwei Finger an der linken Hand und vier teilweise bewegliche Finger an der rechten Hand zu retten. Meine Mutter ist wieder weggegangen, und jetzt lebe ich seit vier Jahren im Foyer Immaculée bei den Salesianern. Dort besuche ich die sechste Klasse und bin sogar meistens Klassenbester, obwohl ich den Stift nur mit zwei Fingern halten kann!

 

(*Name geändert)

Kiano* (14 Jahre) lebte auf den Straßen von Luanda, Angola

"Ich möchte gerne einen richtigen Beruf lernen."

Kiano wurde in einem Vorort der angolanischen Hauptstadt Luanda geboren. Im Haus seiner Mutter wurde er viel geschlagen. Mit fünf Jahren lief er dann schließlich von Zuhause weg und landete auf der Straße.

 

Als kleines Kind kannte ich meinen Vater nicht, weil er die ganze Zeit im Krieg war. Ich wohnte mit meiner Mutter und meinem Stiefvater zusammen. Ich litt sehr unter dieser Wohnsituation, weil meine Mutter und mein Stiefvater sich oft stritten und sie mich auch geschlagen haben. Nach dem Krieg habe ich dann meinen leiblichen Vater kennengelernt. Ich war damals vier Jahre alt. Ich bin öfters heimlich aus dem Haus geschlichen, um ihn zu besuchen, aber jedes Mal, wenn meine Mutter mich erwischte, gab es danach ziemlich üble Schläge.

 

Schließlich bin ich von Zuhause weggelaufen. Ich landete auf der Straße im Zentrum von Luanda und habe da schnell andere obdachlose Kinder und Straßenkinder kennengelernt. Ich trug schmutzige Kleider, begann Benzin zu schnüffeln, Marihuana zu rauchen und in der Regenzeit schlief ich unter Pappen. Um wenigstens ab und zu etwas zu Essen zu haben, schloss ich mich einer Gruppe von älteren Jungen an. Sie zwangen uns, betteln zu gehen.

 

Zum Glück habe ich die Salesianer kennengelernt. Streetworker und ein Pater kamen jede Woche zu uns auf die Straße. Sie haben uns ermutigt, ins Don Bosco Zentrum im Slumviertel Lixeira zu kommen.

Kiano*, 14 Jahre aus Luanda
©Don Bosco Mission Bonn

 

Ich ging schließlich mit einem Freund dort hin. Wir wurden sehr herzlich empfangen. Nach kurzer Zeit lernte ich lesen und schreiben und machte viel Sport. Wir sind etwa 20 ehemalige Straßenkinder im Zentrum. Wenn wir uns hier anstrengen und gut benehmen, kommen wir später in ein Wohnheim und können dann eine Berufsausbildung absolvieren. 

 

Ab und zu bin ich wieder auf die Straße zurück, meistens wegen Drogen. Im Don Bosco Haus haben sie mich trotzdem wieder aufgenommen. Ich musste aber versprechen, nicht wieder abzuhauen. Daran habe ich mich gehalten. Ich bin den Salesianern sehr dankbar für alles, was sie für mich getan haben.

 

(*Name geändert)

Mehr über das Leben von Straßenkindern unter Mythos Straßenkind oder im Straßenkinderlexikon