"Hidden Hunger"

Mehr als 90 Prozent der Einwohner von Madagaskar leben unterhalb der Armutsgrenze. Eine Million Menschen hungern – besonders erschreckend sind die Folgen für die Kinder.

Eine warme Mahlzeit am Tag

Armut, Ernteausfälle, Corona ... in Madagaskar kommt alles zusammen und stürzt die Menschen in große Not. Besonders schwerwiegend sind die Folgen für die Kleinsten: Armut und die daraus resultierende einseitige Ernährung sind die Hauptursachen des „verborgenen Hungers“. Die chronische Unterversorgung mit Nährstoffen führt zu schwerwiegenden mentalen und körperlichen Schäden, die nicht mehr aufgeholt werden können.

Große Not

Fianarantsoa hat 200.000 Einwohner, doch die Stadt wirkt wie ein großes Dorf. Viele der Menschen sind Selbstversorger – doch auch in diesem Jahr ist die Ernte verdorrt. Andere arbeiten als Tagelöhner – doch die Corona-Beschränkungen haben die Wirtschaft fast vollständig zum Erliegen gebracht. Täglich gehen Don Bosco Sozialarbeiter durch die Armenviertel der Stadt und besuchen Familien, die nicht mehr ein noch aus wissen.

Gutes Essen, gesunde Kinder...

  • Salesianer spricht mit Kindern auf der Straße

Ein unschlagbares Argument

Das Don Bosco Zentrum in Fianarantsoa ist eigentlich in erster Linie eine Bildungseinrichtung. Viele Eltern brauchen die Arbeitskraft ihrer Kinder, um über die Runden zu kommen und stehen dem Schulbesuch daher skeptisch gegenüber. Doch in diesen Tagen gibt es ein unschlagbares Argument für die Schule: die tägliche Schulspeisung, ein Teller mit Reis und frischem Gemüse. Und manchmal sogar Fisch!

250 Portionen Zuversicht

12.30 Uhr, Mittagspause im Don Bosco Zentrum. Die neunjährige Hanitra* und 250 weitere fröhliche Kinder strömen in den Speisesaal und nehmen ihre Teller in Empfang. Schon seit dem frühen Morgen hat eine Gruppe von Eltern dafür gesorgt, dass die Mahlzeit rechtzeitig fertig ist. Gemüse putzen, den Holzofen anheizen – hier ist Eigeninitiative gefragt.

Hintergründe:

"Hidden Hunger"

Verborgener Hunger

„Hidden Hunger“ – verborgener Hunger – lautet die Bezeichnung für die Mangel- und Unterernährung, die fast die Hälfte aller Kinder in Madagaskar betrifft. Verborgener Hunger geht mit vielen Störungen der geistigen und körperlichen Entwicklung einher. Und er schwächt die Körper der Kleinen und macht sie anfällig für weitere Krankheiten.

Wirksame Hilfe

Don Bosco weltweit

Auf Madagaskar und in über 700 Straßenkinder-Zentren weltweit versorgt Don Bosco täglich Tausende Kinder und Jugendliche. Für viele Kinder, die Don Bosco Schulen besuchen, ist die kostenlose Schulspeise die einzige warme Mahlzeit am Tag. Auch in Krisengebieten hilft Don Bosco mit Lebensmittelpaketen und Spezialnahrung für Kinder.

Kein Geld für Bildung

In Madagaskar ist es üblich, Schulgeld zu verlangen. „Als unser Zentrum einen kostenlosen Schulbesbesuch anbot, stießen wir auf Skepsis“, berichtet der Leiter des Don Bosco Zentrums. Seither ist ein monatlicher Beitrag von 400 Ariary erwünscht – umgerechnet etwa zehn Cent. Aber für viele der ärmsten Familien ist auch diese Summe noch zu hoch. Stattdessen helfen sie in der Küche, reparieren Spielgeräte oder putzen die Klassenräume.

Kraft zum Lernen

Mittlerweile hat die neunjährige Hanitra noch einen Nachschlag bekommen – und einen Beutel mit Grundnahrungsmitteln, den sie mit zu ihrer Familie nehmen darf. Nach der Mittagspause geht die Schule weiter. Noch eine Stunde Rechnen – das macht Hanitra Spaß.

*Name geändert

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße