Die Stadt der Kinder

Trotz eines bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwungs herrscht in Kolumbien große soziale Ungleichheit. Viele Kinder leben auf der Straße. In der Ciudad Don Bosco finden diese Kinder Sicherheit. Und sie bekommen das Recht, von einer guten Zukunft zu träumen.

Das Recht, zu träumen

Die Stadt der Kinder (Ciudad Don Bosco) ist ein weitläufiges Gelände, doch der zehnjährige Juan* ist ein guter Stadtführer. Das Wohnheim, die Schule, die Werkstätten, der Sportplatz und dort drüben der Platz zum Murmelspielen – Juan kennt sich aus. Nach familiären Schicksalsschlägen und dem Leben auf der Straße hat der Junge hier Fuß gefasst.

Vertrauen fassen

„Fast alle Kinder, die zu uns kommen, haben schlimme Erfahrungen gemacht“, erklärt Pater Carlos, der Direktor der Einrichtung. „Gewalt in der Familie, Gewalt auf der Straße, einige unserer Schützlinge wurden sogar als Kindersoldaten missbraucht. Es dauert oft lange, bis diese Kinder wieder Vertrauen in das Leben fassen.“

Die Kraft der Gemeinschaft

Neben vielen Einzelgesprächen setzt das Team der Ciudad bei der Heilung seelischer Wunden vor allem auf die Kraft der Gemeinschaft. Das Sport- und Spielangebot ist groß und wird beständig weiterentwickelt. „Unsere neuen Tanzworkshops werden gut angenommen“, berichtet Pater Carlos. „Im Tanz können die Kinder zu sich selber finden und Dinge ausdrücken, die in ihrem Unterbewusstsein eingeschlossen sind.” Neben den ständigen Bewohnern der Ciudad kommen auch viele Kinder aus den beengten Armutsvierteln, um Spaß und Spiel zu teilen.

Selbstbewusstsein entwickeln

Juan geht zur Schule, fünfte Klasse. Aber er hat sich auch schon in den Werkstätten umgesehen, in denen er später eine Ausbildung machen kann. Neben klassischen Handwerksberufen werden auch Ausbildungsgänge wir Grafikdesign oder Verwaltungsmanagement angeboten. Ob auch etwas für ihn dabei wäre, weiß Juan noch nicht. „Im Augenblick träumst du eher davon, der beste Murmelspieler zu werden, oder?“, lächelt Pater Carlos. Juan strahlt zurück. „Das bin ich doch schon!“

*Name geändert

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße