Das Projekt Beethoven Moves!

Beethovens Fünfte begegnet urbaner Straßenkultur

Ludwig van Beethoven gilt als der meistgespielte klassische Komponist – und er war ein radikaler Künstler, der sich immer wieder neu erfunden hat, der die Grenzen der Musik erweiterte und die Gesellschaft in Frage stellte. Im Jahr 2020 feiern wir seinen 250. Geburtstag in Bonn. Beethoven Moves! ist ein globales Projekt zur 5. Sinfonie anlässlich dieses Jubiläums.  Es ist ein gemeinsames Projekt des Beethoven Orchester Bonn und Don Bosco Mission Bonn nach der Idee und unter der Projektleitung von Rita Baus. Musikalische Leitung: Dirk Kaftan, Regie: Anselm Dalferth.

Gegen Gewalt und Ausgrenzung

Beethoven Moves! setzt Zeichen gegen Gewalt und Ausgrenzung. Ehemalige Kindersoldaten und Straßenkinder aus Kolumbien interpretieren gemeinsam mit dem Beethoven Orchester Bonn und Jugendlichen aus Bonn und Umgebung Erfahrungen zu Gewalt, Ausgrenzung und Freiheit. Sie entwickeln Choreographien und eigene kreative Statements zu Beethovens 5. Sinfonie. Startschuss des Projektes ist eine Reise des Beethoven Orchester Bonn nach Medellín im April 2019.

 

Ehemalige Kindersoldatin aus Kolumbien

„Tanzen ist ein Teil von mir“

Die Geschichte von Tatiana

Schon als Kind war Tatiana* eine leidenschaftliche Tänzerin. Bereits mit 14 Jahren war sie mit Tanzgruppen unterwegs. „In meinem Heimatort muss jeder, der Respekt will, wissen wie man tanzt“, sagt sie stolz. Mit fünfzehn Jahren traf Tatiana auf einen Jungen, der für eine bewaffnete Gruppe kämpfte. Sie ließ all ihre Träume fallen, um ihm zu folgen.

Zweieinhalb Jahre kämpfte Tatiana im Dschungel von Kolumbien. Zunächst gefiel ihr das Leben in der Gruppe. „Alles, was wir tun mussten, war, die Regeln zu befolgen. Dann würde alles gut gehen." Aber für Tatiana ging nicht alles gut. "Und ich konnte nicht tanzen, wie ich es früher getan habe", gesteht sie.
 
Eines Tages wurde Tatianas Freund im Kampf getötet. Tatiana begann, ihr Leben in Frage zu stellen. Sie flüchtete zurück nach Hause und versuchte, ihr früheres Leben fortzusetzen. "Die Leute in meinem Dorf zeigten auf mich und kriminelle Gruppen begannen, mich zu suchen." Um ihre Tochter zu beschützen, brachte Tatianas Mutter sie fort. Heute lebt Tatiana in der Ciudad Don Bosco in Medellín.
 
Nach ihrer Ausbildung möchte Tatiana Krankenschwester werden. Doch sie träumt weiter davon, eine professionelle Tänzerin zu sein. „Tanzen ist ein Teil von mir“, sagt sie und schaut nach vorne, als ob sie ihre Zukunft sehen würde.

Begegnungsreise nach Kolumbien

Ostern 2019 werden Musikerinnen und Musiker mit Dirk Kaftan und Mitarbeitenden des Beethoven Orchester Bonn eine Woche lang in der Ciudad Don Bosco zu Gast sein. In musikpädagogischen und kreativen Workshops wird Beethovens 5. Sinfonie gespielt, getanzt, gerappt und in Bildern und Graffitis festgehalten. Das Projekt knüpft an bestehende pädagogische Don Bosco Programme zur Rehabilitierung von Jugendlichen in Risikolagen an. Seit Herbst 2018 finanziert Don Bosco Mission Bonn Kurse vor Ort, in denen Bewegung, Tanz und kreativer Ausdruck vertieft werden. 

Gemeinsame Aufführung in Bonn 2020

Höhepunkt von Beethoven Moves! ist das deutsch-kolumbianische Jugendcamp mit abschließender Aufführung der 5. Sinfonie. Gemeinsam mit dem Beethoven Orchester Bonn werden 50 junge Menschen aus Medellín und Bonn ihre Vision der Schicksalssinfonie interpretieren und vor großem Publikum im Telekom Forum zeigen. Unterstützung bekommen sie dabei von professionellen Coaches, Künstlern und Regisseur Anselm Dalferth. 

 

Du willst mehr erfahren?

Junge macht einen Breakdance-Move

... über die Idee hinter dem internationalen Projekt MOVE!

MOVE! gibt Jugendlichen eine Stimme. Ob getanzt, gerappt oder performt: Ihre Botschaften aus aller Welt  erzählen von ihrem Leben und Leiden, von ihren Stärken, Hoffnungen & Visionen.

Zwei Jungen, die rappen

... über die Aktivitäten von Beethoven Moves!

Von den Schulworkshops bis hin zur gemeinsamen Aufführung mit dem Beethoven Orchester Bonn: Hier erfährst du alles über die Aktivitäten von Beethoven Moves! und wie du daran teilnehmen kannst.

... über die Don Bosco Einrichtung in Kolumbien

Die Ciudad Don Bosco ist mehr als eine Ausbildungsstätte. Sie ist ein Zentrum der Hoffnung. Junge Menschen erhalten eine Perspektive & machen sich stark für ein Leben ohne Drogen & Gewalt.

 

 

Das Projekt Beethoven Moves! wird anteilig gefördert durch die Beethoven Jubiläumsgesellschaft BTHVN2020 aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises.

Noch Fragen?

Don Bosco ist der Name des italienischen Priesters und Seelsorger Johannes Bosco, der sich schon vor mehr als 150 Jahren für Straßenkinder einsetzte. Die Jugendlichen zu Zeiten Don Boscos haben zwar unter anderen Umständen gelebt als die heutige Jugend, doch viele Probleme und Herausforderungen sind die gleichen geblieben. Auch heute noch leben viele junge Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie haben es schwer gesellschaftlich teilzuhaben und sich eine Zukunft aufzubauen. Deswegen steht der Name Don Bosco heute für ein weltweit tätiges Netzwerk mit einem erfolgreichen und bewährten pädagogischen Ansatz, das sich für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos sowie die Don Bosco Schwestern haben es sich zum Ziel gesetzt, weltweit benachteiligten jungen Menschen in Risikosituationen zu helfen. Sie setzen sich für eine bessere Welt mit mehr Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche an sozialen Brennpunkten ein. Don Boscos Werk gilt als die wohl größte kirchliche Schöpfung des 19. und 20. Jahrhunderts. Heute sind rund 15.000 Salesianer Don Boscos in über 1.800 Niederlassungen in 132 Ländern hauptsächlich in der Jugendarbeit tätig. 

Auf der Basis des christlichen Menschenbildes war es für Don Bosco das Ziel all seines Wirkens, junge Menschen zu „aufrichtigen Bürgern und guten Christen" heranzubilden. Ihm ging es um eine ganzheitliche Erziehung, die von Spaß, Nähe und Herzlichkeit geprägt war. Don Bosco verstand sich als Erzieher und Seelsorger zugleich. Seine Pädagogik der Vorsorge ist vor allem eine „Beziehungspädagogik". Don Bosco selbst prägte dafür den Ausdruck „Assistenz". Er sieht den Erzieher vor allem als „Assistenten", der interessiert und aufmerksam, ermutigend und unterstützend, mal fördernd und mal fordernd dem jungen Menschen zur Seite steht.