Straßen-Sozialarbeit in Bolivien

Um Straßenkindern zu helfen, suchen die weltweiten Don Bosco Teams die Kinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf - auf der Straße. So auch Evelia und José. Sie kümmern sich um Straßenkinder in Santa Cruz.

Hoffnung in den Straßen von Santa Cruz

Es ist fast neun Uhr morgens. Unter einer Brücke in Santa Cruz wachen einige Kinder auf. Sie haben die Nacht auf Decken und Pappkartons geschlafen - so wie fast jede Nacht. Santa Cruz ist die größte Stadt und der wirtschaftliche Motor Bolivien, dennoch leben zahlreiche Kinder und Jugendliche auf der Straße.

Vertrauen aufbauen

Jeden Tag besuchen Evelia und José die Straßenkinder und verbringen etwas Zeit mit ihnen. Die beiden sind Sozialarbeiter von Don Bosco. Das Ziel ihrer Besuche ist es, das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen und ihnen ein bisschen Hoffnung zu geben. Die beiden Sozialarbeiter versuchen die Kinder auch dazu zu animieren, ins "Techo Pinardi" - eine Don Bosco Anlaufstelle für Straßenkinder - zu kommen.

Täglicher Kampf ums Überleben

Wenn Evelia und José die Kinder auf der Straße besuchen, nehmen sie das Kartenspiel UNO mit. Ein einfaches Spiel, mit dem alle zurechtkommen. Heute spielen sie mit Dario* und Miguel*, beide sind drogensüchtig und inhalieren den Klebstoff “Clefa”. “ Fast alle Straßenkinder nehmen diese Droge. Denn Clefa ist billig und sie können so für kurze Zeit ihren Hunger vergessen”, sagt Evelia. 

Hilfe für Straßenkinder

Von der Gesellschaft vergessen

Nur einige Meter von der Gruppe entfernt, schläft ein Junge unter der Brücke. Er liegt auf dreckigen Decken, seine Füße sind nackt und mit Verletzungen übersät. Evelia kann ihn nicht wecken. “ Wenn die Straßenkinder eine harte Nacht hinter sich haben, mit vielen Drogen und Aktivitäten, dann schlafen sie tagsüber und wir haben keine Chance, sie wach zu bekommen, ” erklärt Evelia. Für die Autofahrer, die an dem Jungen vorbeifahren, scheint das ein normales Bild zu sein. Keiner hält an und kümmert sich um ihn.

Erste Hilfsmaßnahmen

Wenn Evelia und José los ziehen, dann haben sie auch immer einen Erste-Hilfe-Koffer mit dabei. Sie verarzten kleine Wunden, die meistens die Folgen von Kämpfen sind. Manchmal begleiten sie die Kinder auch zum Arzt für medizinische Untersuchungen. Sie haben auch immer etwas zu essen dabei, dass sie unter den Straßenkindern aufteilen.

Die Chance auf ein neues Leben

Das Leben auf der Straße ist hart. Viele Kinder und Jugendliche haben Gewalterfahrungen gemacht. Die Besuche der Sozialarbeiter sollen den Straßenkindern Hoffnung machen und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Evelia erzählt den Jugendlichen auch von Don Bosco - von einem Ort, an dem sie Hilfe und Unterstützung bekommen können. Und manchmal entscheidet sich ein Kind dann mitzukommen und das Leben auf der Straße hinter sich zu lassen.

Noch Fragen?

Die meisten Straßenkinder kommen aus zerrütteten Familien. Sie fliehen vor Armut und Gewalt und leben deswegen auf der Straße. Viele Kinder laufen aber auch Gefahr, auf der Straße zu landen. Deswegen sind Straßenkinder für uns auch Kinder und Jugendliche, die öfter auf der Straße Zuflucht suchen oder auf der Straße arbeiten müssen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten. Auch Kinder, denen es an den wichtigsten Dingen wie Liebe, Geborgenheit, Essen und Schulbildung mangelt, laufen Gefahr, ganz auf der Straße zu landen. Dazu gehören zum Beispiel Schulschwänzer, missbrauchte Kinder oder Kindersklaven.

Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun wir alles, was verhindert, dass junge Menschen auf der Straße landen. Unsere Aktivitäten sollen soziale Ungleichheiten überwinden und jungen Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir tun dies, indem wir benachteiligte Kinder und Jugendliche in Risikosituationen begleiten und ihnen Zugang zu Bildung und Ausbildung bieten. Dabei möchten wir jungen Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte.

Auf der ganzen Welt betreiben wir sogenannte Straßenkinder-Zentren, also Einrichtungen, in denen Straßenkinder Hilfe bekommen können. Der Besuch oder der Verbleib in den Straßenkinder-Zentren ist immer freiwillig. Für manche Kinder wird das Zentrum ein neues Zuhause, manche kommen nur ab und an zum Spielen vorbei oder um sich ein paar Stunden auszuruhen oder etwas zu essen.

Die Erstversorgung bspw. mit Kleidung und Essen ist notwendig, denn niederschwellige Angebote ermöglichen es uns, Kontakt zu Straßenkindern aufzubauen. Darüber hinaus ist uns langfristige, nachhaltige Hilfe ein besonderes Anliegen. Durch unsere Straßenkinder-Zentren gelingt es,

  • Kontakt zu Straßenkindern aufzunehmen und sie erstzuversorgen,
  • Straßenkindern ein Zuhause zu bieten mit Menschen, die sich um sie kümmern,
  • Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Qualifikation neues Selbstvertrauen zu schenken,
  • Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und positiv in die Zukunft zu blicken.

Damit Straßenkinder von unseren Hilfsangeboten erfahren, suchen Streetworker die Straßenkinder direkt in ihrem Lebensumfeld auf, also auf der Straße. Sie sprechen sie an und versuchen, Kontakt aufzunehmen. So kann langsam und behutsam Vertrauen aufgebaut werden. Wenn das gelingt, bieten sie den Kindern Freizeit-, Lern- oder Gesundheitsangebote an. 

Für ein Leben jenseits der Straße